Wie funktioniert der Datenaustausch zwischen OEM und Logistikdienstleister?

Dominik Bauer ·
Logistikkoordinator verbindet USB-Datenkabel zwischen Miniatur-Automodell und Versandmanifesten auf Industrieschreibtisch.

Der Datenaustausch zwischen OEM und Logistikdienstleister läuft heute überwiegend elektronisch und standardisiert ab. Fahrzeugauftragsdaten, Transportanweisungen und Statusmeldungen werden automatisch zwischen den IT-Systemen beider Parteien übertragen, ohne dass manuelle Eingriffe erforderlich sind. Welche Datentypen dabei konkret ausgetauscht werden, welche Standards zum Einsatz kommen und was bei Übertragungsfehlern passiert, beantwortet dieser Artikel Schritt für Schritt.

Welche Daten tauschen OEM und Logistikdienstleister konkret aus?

OEM und Logistikdienstleister tauschen im Wesentlichen Fahrzeugauftragsdaten, Transportanweisungen, Statusmeldungen und Schadensdokumentationen aus. Der Datenaustausch zwischen OEM und Logistikdienstleister umfasst alle Informationen, die benötigt werden, um ein Fahrzeug vom Produktionswerk bis zur Auslieferung beim Händler lückenlos zu verfolgen und zu steuern.

Im Einzelnen gehören folgende Datenkategorien zum Standardumfang der Datenkommunikation OEM:

  • Fahrzeugstammdaten: Fahrgestellnummer (VIN), Modell, Ausstattungsvariante, Zieldepot und Zieldealercode
  • Transportaufträge: Abholort, Lieferadresse, gewünschter Liefertermin und Priorisierungsstufe
  • Statusmeldungen: Produktionsabschluss, Compound-Eingang, Compound-Ausgang, Ladebestätigung und Auslieferungsnachweis
  • Schadensdaten: Schadenscodes, fotografische Nachweise und Protokolle zu Zeitpunkt und Ort der Feststellung
  • Ressourcendaten: Fahrer- und Fahrzeugzuordnungen, Ladekapazitäten und geplante Routen

Die Vollständigkeit und Aktualität dieser Daten entscheidet darüber, ob ein Logistikdienstleister seinen Compound effizient betreiben und Liefertermine gegenüber dem Handel zuverlässig kommunizieren kann. Fehlen Fahrzeugstammdaten zum Zeitpunkt des Compound-Eingangs, entstehen manuelle Erfassungsaufwände, die Fehler und Verzögerungen nach sich ziehen. Für Compound-Betreiber und Transportmanagement-Verantwortliche ist ein vollständiger, zeitnaher Datenstrom daher keine Komfortfunktion, sondern eine operative Grundvoraussetzung.

Welche Standards und Protokolle werden für den Datenaustausch genutzt?

Der Datenaustausch in der Fahrzeuglogistik basiert überwiegend auf EDI (Electronic Data Interchange). EDI Automotive Logistics nutzt dabei etablierte Nachrichtenformate wie EDIFACT oder branchenspezifische Subsets davon, um strukturierte Daten maschinenlesbar zwischen den Systemen von OEM und Logistikdienstleister zu übertragen.

In der Praxis kommen verschiedene Schnittstellenstandards Fahrzeuglogistik zum Einsatz:

  • EDIFACT: Der internationale UN-Standard für elektronischen Datenaustausch, weit verbreitet in der europäischen Automobillogistik für Transportaufträge und Statusmeldungen
  • VDA-Nachrichtenstandards: Vom Verband der Automobilindustrie (VDA) definierte Formate, die in der deutschen und europäischen Automotive-Lieferkette häufig genutzt werden
  • XML-basierte Schnittstellen: Zunehmend verbreitet bei neueren Systemintegrationen, insbesondere wenn Webservices oder REST-APIs eingesetzt werden
  • OFTP2 (Odette File Transfer Protocol): Das in der europäischen Automobilindustrie weit verbreitete Übertragungsprotokoll für den sicheren Dateiaustausch zwischen Unternehmen

Welcher Standard konkret zum Einsatz kommt, hängt von den Vorgaben des jeweiligen OEM ab. Große Hersteller schreiben ihren Logistikpartnern in der Regel spezifische Nachrichtenformate und Übertragungsprotokolle vor. Logistikdienstleister, die mehrere OEM-Kunden bedienen, müssen daher in der Lage sein, unterschiedliche Schnittstellenstandards parallel zu unterstützen. Eine integrierte Logistikplattform übernimmt die Übersetzung zwischen diesen Formaten und entlastet das operative Team von manuellen Konvertierungsaufwänden.

Wie läuft der Datenaustausch technisch ab – Schritt für Schritt?

Der technische Ablauf des Datenaustauschs zwischen OEM und Logistikdienstleister folgt einem klar definierten Kreislauf aus Auftragserzeugung, Übertragung, Verarbeitung und Rückmeldung. Jede Statusänderung im Lebenszyklus eines Fahrzeugs löst eine neue Nachricht aus, die automatisch an den jeweils relevanten Partner übermittelt wird.

Der Prozess läuft in der Regel wie folgt ab:

  1. Auftragserteilung durch den OEM: Sobald ein Fahrzeug die Produktion verlässt, erzeugt das ERP-System des Herstellers einen Transportauftrag mit allen relevanten Fahrzeug- und Zieldaten und sendet diesen per EDI an den Logistikdienstleister.
  2. Empfang und Verarbeitung im TMS: Das Transport Management System des Logistikdienstleisters empfängt die Nachricht, validiert die Daten und legt den Auftrag in der Disposition an.
  3. Compound-Eingang und Statusmeldung: Beim Eintreffen des Fahrzeugs auf dem Compound wird der Eingang im Yard Management System erfasst. Eine automatische Statusmeldung geht zurück an den OEM.
  4. Bearbeitung und weitere Statusupdates: Jede Compound-Aktivität, ob Wäsche, PDI oder Sonderausstattung, wird im System erfasst und bei Bedarf als Update übermittelt.
  5. Transportdurchführung und Echtzeit-Tracking: Während des Transports übermittelt die Telematik die aktuelle Geo-Position des Lkw, sodass OEM und Händler den Lieferstatus in Echtzeit verfolgen können.
  6. Auslieferungsbestätigung: Nach der Übergabe an den Händler wird der Auslieferungsnachweis inklusive fotografischer Dokumentation elektronisch zurück an den OEM übermittelt und der Auftrag damit abgeschlossen.

Dieser Kreislauf läuft bei einem gut integrierten System vollständig automatisch ab. Manuelle Eingriffe sind nur dann erforderlich, wenn Daten fehlen, fehlerhaft sind oder ein Ausnahmefall vorliegt, der eine Entscheidung durch den Disponenten erfordert.

Was passiert, wenn Daten fehlerhaft oder verzögert übermittelt werden?

Fehlerhafte oder verzögerte Datenübermittlung führt in der Fahrzeuglogistik unmittelbar zu operativen Problemen: Fahrzeuge werden nicht korrekt eingeplant, Liefertermine können nicht zuverlässig kommuniziert werden, und Schadensverantwortlichkeiten lassen sich im Nachhinein schwerer klären. Die Konsequenzen sind sowohl operativ als auch kommerziell spürbar.

Typische Fehlerszenarien im Datenaustausch

In der Praxis treten vor allem drei Arten von Übertragungsproblemen auf. Erstens können Nachrichten technisch fehlerhaft sein, etwa wenn ein Pflichtfeld leer ist oder ein Formatfehler die Verarbeitung im Zielsystem verhindert. Zweitens können Nachrichten zeitverzögert ankommen, sodass Dispositionsentscheidungen auf veralteten Informationen basieren. Drittens können Nachrichten vollständig ausbleiben, wenn die Übertragungsstrecke unterbrochen ist.

Auswirkungen auf den Compound-Betrieb

Fehlt die Eingangsbestätigung eines Fahrzeugs, kann der Compound-Manager dessen Status nicht im Yard Management System nachverfolgen. Das Fahrzeug ist physisch vorhanden, aber im System unsichtbar. Das führt zu manuellen Suchaufwänden, verzögerter Bearbeitung und im schlimmsten Fall zu verpassten Auslieferungsterminen. Ähnlich kritisch ist das Fehlen von Schadensdaten: Wenn ein Schaden nicht zum Zeitpunkt der Feststellung elektronisch dokumentiert wird, entstehen im Nachhinein Streitigkeiten über Verantwortlichkeit und Zeitpunkt.

Gut konzipierte Yard-Management-Systeme verfügen über Validierungsroutinen, die eingehende Nachrichten auf Vollständigkeit prüfen, fehlerhafte Datensätze zur manuellen Nachbearbeitung markieren und Übertragungsfehler protokollieren. So lassen sich Probleme frühzeitig erkennen, bevor sie sich auf nachgelagerte Prozesse auswirken.

Wie verbessert eine spezialisierte Logistiksoftware den Datenaustausch?

Eine spezialisierte Finished Vehicle Logistics Software verbessert den Datenaustausch, indem sie eingehende OEM-Daten automatisch verarbeitet, Statusmeldungen ohne manuelle Eingabe zurücksendet und alle Prozesse auf einer einheitlichen Datenbasis abbildet. Damit entfällt die fehleranfällige manuelle Übertragung zwischen separaten Systemen.

Konkret leisten spezialisierte Plattformen Folgendes:

  • Automatische Verarbeitung eingehender EDI-Nachrichten und direkte Übernahme in die Disposition
  • Automatische Erzeugung und Übermittlung von Statusmeldungen bei jeder relevanten Prozessänderung
  • Integration von Yard Management und Transport Management auf einer gemeinsamen Datenbasis, sodass Compound-Status und Transportstatus jederzeit konsistent sind
  • Mobile Erfassung von Compound-Aktivitäten und Auslieferungsnachweisen direkt vor Ort, mit sofortiger Synchronisation in das Gesamtsystem
  • Echtzeit-Telematik, die den aktuellen Standort von Lkw in die Transportplanung einbindet und für OEM sowie Händler sichtbar macht

Generische TMS-Lösungen bieten diese Tiefe der Automotive-Integration selten. Sie erfordern häufig aufwändige Anpassungen, um die spezifischen Nachrichtenformate und Statusmodelle der Fahrzeuglogistik abzubilden. Eine von Grund auf für Finished Vehicle Logistics entwickelte Plattform kennt diese Anforderungen und bildet sie ohne Umwege ab.

Wie Bauer Software den Datenaustausch in der Fahrzeuglogistik unterstützt

Bauer Software entwickelt seit mehr als 35 Jahren Software speziell für die Finished Vehicle Logistics und hat eLogistics 2.0 auf die konkreten Anforderungen des Datenaustauschs zwischen OEM und Logistikdienstleister ausgerichtet. Die Plattform deckt alle relevanten Prozesse auf einer gemeinsamen Datenbasis ab:

  • Transport Management Software (TMS): Eingehende Transportaufträge werden automatisch verarbeitet und in die Disposition übernommen. Statusmeldungen werden ohne manuelle Eingabe zurück an den OEM übermittelt.
  • Yard Management Software (YMS): Compound-Eingang, Fahrzeugbewegungen und Serviceschritte werden in Echtzeit erfasst und sind für alle Beteiligten sofort sichtbar.
  • Yard App und Driver App: Yard-Mitarbeiter und Fahrer erfassen Statusänderungen, Schadensdokumentation und Auslieferungsnachweise direkt vor Ort auf Android oder iOS. Die Daten werden sofort mit eLogistics 2.0 synchronisiert.
  • Telematik-Integration: Die aktuelle Geo-Position jedes Lkw ist in die Transportplanung eingebunden und für Disponenten sowie Kunden in Echtzeit abrufbar.
  • Händlerportal: Händler erhalten direkten Einblick in den Status ihrer eingehenden Fahrzeuge, ohne den Logistikdienstleister manuell anfragen zu müssen.

Das Ergebnis ist ein durchgängiger, weitgehend automatisierter Datenaustausch, der manuelle Eingriffe auf Ausnahmefälle reduziert und Ihrem Team den Freiraum gibt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: die zuverlässige Auslieferung jedes Fahrzeugs zum richtigen Zeitpunkt. Wenn Sie erfahren möchten, wie eLogistics 2.0 in Ihrer konkreten Betriebsumgebung konfiguriert werden kann, sprechen Sie mit unserem Team — wir sind von Montag bis Freitag von 08:00 bis 17:00 Uhr erreichbar.

Wie funktioniert der Datenaustausch zwischen OEM und Logistikdienstleister?

Ähnliche Artikel

Accessibility Toolbar