Welche Prozesse in der Fahrzeuglogistik lassen sich als erstes digitalisieren?

Dominik Bauer ·
Logistikmitarbeiter scannt Fahrzeug-VIN-Barcode mit Handscanner auf sonnenbeschienemem Fahrzeugdepot, Reihen neuer Autos im Hintergrund.

In der Fahrzeuglogistik lassen sich zunächst die Transportplanung und das Yard Management am sinnvollsten digitalisieren, weil diese Bereiche besonders viele manuelle Schritte enthalten und direkt messbare Effizienzgewinne liefern. Wer mit einem klar abgegrenzten Prozess beginnt, schafft eine stabile Grundlage für alle weiteren Digitalisierungsschritte. Die folgenden Fragen zeigen, welche Prozesse noch häufig analog ablaufen, wo der Einstieg am meisten bringt und wie man den Fortschritt der Digitalisierung zuverlässig messen kann.

Welche Prozesse sind in der Fahrzeuglogistik am häufigsten noch analog?

In der Fahrzeuglogistik laufen heute noch viele operative Kernprozesse papierbasiert ab: Fahrzeugannahmen werden handschriftlich erfasst, Schadensdokumentationen auf Papierformularen festgehalten und Liefernachweise per Unterschrift auf Ausdrucken bestätigt. Besonders in der Compound-Verwaltung und bei der Fahrerzuordnung sind analoge Abläufe weit verbreitet.

Konkret betrifft das in vielen Betrieben folgende Bereiche:

  • Fahrzeugannahme und Einbuchung auf dem Compound
  • Statuserfassung und Standortverfolgung von Fahrzeugen auf dem Gelände
  • Schadensdokumentation bei Übernahme und Übergabe
  • Abliefernachweise und Übergabeprotokolle beim Händler
  • Ladeplanung und Tourenabstimmung zwischen Disponenten und Fahrern
  • Ressourcenplanung für Fahrer und Fahrzeugträger

Der Grund dafür ist häufig historisch gewachsen: Viele Betriebe arbeiten seit Jahren mit denselben Abläufen und haben digitale Lösungen entweder nicht eingeführt oder nur punktuell ergänzt, ohne die Prozesse grundlegend zu verändern. Das Ergebnis sind Medienbrüche, bei denen Daten aus Papierformularen nachträglich in Systeme übertragen werden müssen, was Fehler begünstigt und Zeit kostet. Gerade bei der Schadensdokumentation hat das konkrete rechtliche und kommerzielle Konsequenzen, wenn im Streitfall keine lückenlosen Nachweise vorliegen.

Warum eignet sich die Transportplanung besonders gut als Einstieg in die Digitalisierung?

Die Transportplanung eignet sich als Einstieg in die Digitalisierung der Fahrzeuglogistik, weil sie einen zentralen Knotenpunkt darstellt: Hier laufen Auftragseingang, Ressourcenplanung, Ladeplanung und Fahrerzuordnung zusammen. Eine digitale Transport Management Software ersetzt viele parallele Einzelschritte durch einen integrierten Ablauf und macht Verbesserungen sofort messbar.

Praktisch bedeutet das: Statt Aufträge telefonisch weiterzugeben, Ladelisten auszudrucken und Fahrer manuell einzuplanen, werden diese Schritte in einem System abgebildet. Disponenten sehen in Echtzeit, welche Fahrer und Fahrzeugträger verfügbar sind, und können Touren effizient zusammenstellen. Änderungen werden sofort für alle Beteiligten sichtbar, ohne dass Rückfragen notwendig werden.

Ein weiterer Vorteil des Einstiegs über die Transportplanung ist die direkte Anbindung an andere Prozesse. Sobald die Ladeplanung digital abläuft, lassen sich Telematikdaten zur Echtzeit-Ortung der Fahrzeugträger integrieren, und der Fahrer kann über eine App direkt auf seine Tourinformationen zugreifen. Die Transportplanung ist damit kein isolierter Prozess, sondern der Ausgangspunkt für eine schrittweise Vernetzung der gesamten Logistikkette.

Wie lässt sich das Yard Management digital abbilden?

Yard Management lässt sich digital abbilden, indem alle Fahrzeugbewegungen auf dem Compound in einem zentralen System erfasst und in Echtzeit dargestellt werden. Jedes Fahrzeug erhält einen digitalen Status, der von der Ankunft über laufende Serviceleistungen bis zur Abholung nachvollziehbar ist. Manuelle Statuslisten und mündliche Rückmeldungen entfallen damit vollständig.

Ein digitales Yard Management System bildet den Compound in tabellarischer Form ab: Alle aktuell eingelagerten Fahrzeuge sind mit ihrem jeweiligen Status sichtbar, sodass der Compound-Manager jederzeit einen genauen Überblick hat, ohne einzelne Bereiche des Geländes abzulaufen oder Kollegen telefonisch abfragen zu müssen. Fahrzeugbewegungen werden direkt beim Eintreffen erfasst, nicht nachträglich.

Für die Praxis bedeutet das auch, dass Serviceleistungen wie Waschen, Betanken oder PDI direkt im System dokumentiert werden. Yard-Mitarbeiter buchen abgeschlossene Tätigkeiten in Echtzeit ein, was die Planung nachgelagerter Schritte erheblich erleichtert. Die Verbindung zwischen Yard Management und Transportplanung sorgt dafür, dass ein Fahrzeug, das für eine bestimmte Tour vorgesehen ist, rechtzeitig als abholbereit markiert wird.

Welche Rolle spielen mobile Apps bei der Digitalisierung der Fahrzeuglogistik?

Mobile Apps sind ein zentrales Bindeglied zwischen dem digitalen System und den operativen Mitarbeitern vor Ort. Sie ermöglichen es Yard-Mitarbeitern und Fahrern, Daten direkt am Ort des Geschehens zu erfassen, ohne den Umweg über ein Büroterminal. Damit schließen sie die Lücke, die entsteht, wenn Prozesse zwar digital geplant, aber noch analog ausgeführt werden.

Für Yard-Mitarbeiter bedeutet das konkret: Fahrzeugannahmen können auf dem Compound per Android- oder iOS-Gerät eingebucht werden, Serviceleistungen werden direkt nach Abschluss erfasst, und der Fahrzeugstatus ist sofort im System aktualisiert. Das verhindert Verzögerungen durch nachträgliche Dateneingabe und reduziert Fehler, die beim Übertragen von Papiernotizen entstehen.

Für Fahrer übernimmt eine mobile App eine ähnliche Funktion am anderen Ende der Logistikkette. Nach der Ablieferung beim Händler wird der Abliefernachweis direkt fotografisch festgehalten, Begleitpapiere werden abfotografiert, und das Lieferdatum wird automatisch in der Ladeplanung aktualisiert. Das macht den gesamten Lieferprozess nachvollziehbar und liefert im Streitfall lückenlose Nachweise. Mobile Apps sind damit kein optionales Zusatzwerkzeug, sondern ein operativer Enabler, der die Digitalisierung der Prozesse in der Automotive Logistik erst vollständig macht.

Sollte man alle Prozesse gleichzeitig digitalisieren oder schrittweise vorgehen?

Ein schrittweises Vorgehen ist in der Regel der zuverlässigere Weg, um die Fahrzeuglogistik zu digitalisieren. Wer alle Prozesse gleichzeitig umstellt, riskiert operative Unterbrechungen, Überforderung der Mitarbeiter und mangelnde Akzeptanz im Team. Ein klar priorisierter Einstieg in einen Bereich ermöglicht es, Erfahrungen zu sammeln und das System an die eigene Arbeitsweise anzupassen, bevor weitere Bereiche folgen.

Warum schrittweises Vorgehen die Akzeptanz im Team stärkt

Mitarbeiter, die einen neuen Prozess in einem klar abgegrenzten Bereich kennenlernen, bauen Vertrauen in das System auf, bevor sie es in weiteren Bereichen einsetzen. Das reduziert Widerstände und erhöht die Qualität der Dateneingabe, weil die Mitarbeiter verstehen, warum die Erfassung wichtig ist und welche Konsequenzen fehlerhafte Einträge haben. Schulungen lassen sich gezielter planen, wenn der Umfang des neuen Systems begrenzt ist.

Welcher Bereich sollte zuerst digitalisiert werden

In der Praxis empfiehlt sich die Transportplanung als erster Schritt, weil sie den größten Überblick über laufende Aufträge bietet und direkt mit Ressourcenplanung und Ladeplanung verbunden ist. Im zweiten Schritt folgt typischerweise das Yard Management, da es die Compound-Abläufe strukturiert und die Verbindung zur Transportplanung schließt. Mobile Apps für Yard-Mitarbeiter und Fahrer werden idealerweise parallel eingeführt, sobald die Kernsysteme stabil laufen.

Woran erkennt man, ob die Digitalisierung in der Fahrzeuglogistik erfolgreich ist?

Der Erfolg der Digitalisierung in der Fahrzeuglogistik zeigt sich daran, dass manuelle Schritte durch automatisierte Prozesse ersetzt werden, Daten in Echtzeit verfügbar sind und Fehlerquellen wie doppelte Dateneingabe oder verlorene Papierformulare wegfallen. Konkret messbar wird das über die Bearbeitungszeit pro Fahrzeug, die Anzahl offener Rückfragen und die Qualität der Schadensdokumentation.

Folgende Indikatoren zeigen in der Praxis, ob die Digitalisierung greift:

  • Disponenten haben jederzeit einen aktuellen Überblick über Fahrzeugstatus und Ressourcenverfügbarkeit, ohne Rückfragen stellen zu müssen
  • Yard-Mitarbeiter buchen Fahrzeugannahmen und Serviceleistungen direkt mobil ein, ohne Papierformulare
  • Abliefernachweise werden elektronisch erfasst und sind im System sofort abrufbar
  • Schadensdokumentationen sind mit Bildnachweisen hinterlegt und lückenlos nachvollziehbar
  • Ladeplanung und Ressourcenplanung laufen in einem System ohne Medienbrüche
  • Kunden und Händler können Fahrzeugstatus und Liefertermine transparent einsehen

Ein weiterer verlässlicher Indikator ist die Teamakzeptanz. Wenn Mitarbeiter das System aktiv nutzen und Daten vollständig und zeitnah eingeben, funktioniert die Digitalisierung in der Praxis. Wenn hingegen Papierlisten parallel weitergeführt werden oder Einträge nachträglich aus der Erinnerung ergänzt werden, besteht Nachbesserungsbedarf, häufig im Bereich Schulung oder Systemkonfiguration.

Wie Bauer Software bei der Digitalisierung der Fahrzeuglogistik unterstützt

Bauer Software begleitet Unternehmen in der Finished Vehicle Logistics und im allgemeinen Frachtbereich bei der schrittweisen Digitalisierung ihrer Prozesse, mit eLogistics 2.0 als zentraler Plattform, die alle relevanten Bereiche in einem System abdeckt. Das umfasst konkret:

  • Transport Management Software (TMS): Digitale Ladeplanung mit integrierter Ressourcenplanung für Fahrer und Fahrzeugträger, ohne separate Tabellen oder manuelle Abstimmung
  • Yard Management Software (YMS): Echtzeit-Überblick über alle Fahrzeuge auf dem Compound in tabellarischer Form, mit vollständiger Statusverfolgung von der Ankunft bis zur Abholung
  • Yard App für Android und iOS: Yard-Mitarbeiter buchen Fahrzeugannahmen und Serviceleistungen direkt vom Compound-Gelände, ohne Büroterminal
  • Driver App: Fahrer erfassen Abliefernachweise fotografisch direkt bei der Übergabe beim Händler, mit automatischer Aktualisierung in der Ladeplanung
  • Telematik und Echtzeit-Tracking: Lückenlose Geo-Ortung aller Fahrzeugträger vom Auftragseingang bis zur erfolgreichen Auslieferung

Bauer Software begleitet Kunden nicht nur bei der Softwareeinführung, sondern bietet auch individuelle Schulungen auf dem konfigurierten System sowie regelmäßige Software-Updates. Mit mehr als 35 Jahren Erfahrung ausschließlich im Bereich Fahrzeug- und Frachtlogistik ist das Unternehmen ein spezialisierter Software-Partner, der die operativen Anforderungen von Compound-Betreibern, Fahrzeugträgern und Spediteuren aus der Praxis kennt.

Wenn Sie erfahren möchten, wie eLogistics 2.0 für Ihren Betrieb konfiguriert werden kann, steht das Team von Bauer Software gerne zur Verfügung. Nehmen Sie Kontakt auf und besprechen Sie gemeinsam mit den Spezialisten, welcher Einstiegspunkt für Ihre Digitalisierung am meisten Sinn ergibt. Das Team ist montags bis freitags von 08:00 bis 17:00 Uhr erreichbar.

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